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Die Ostsee, repariert nach Plan

Eine evidenzbasierte Betrachtung dessen, was in einem flachen, belasteten Meer funktioniert von einem CAE-Mitglied Mika Heikkilä, basierend auf einer ArtMingle-Gespräch mit Annamari Arrakoski-Engardt.


Die Erholung der Ostsee hängt von Methode, Geduld und Vorstellungskraft ab. Dieser Artikel, der auf Erkenntnissen von Annamari Arrakoski-Engardt, Geschäftsführerin der John Nurminen Foundation, basiert, untersucht, wie Wissenschaft, Verhalten und Kultur zusammenwirken, um ein belastetes und flaches Meer zu sanieren – von Seegraswiesen über nachhaltige Fischerei bis hin zu Kunst, die die Wahrnehmung verändert.

Die Ostsee ist ein schwieriger Fall. Sie ist flach, grenzt an neun Länder und ist seit Langem mit zu vielen Nährstoffen und Chemikalien belastet. Im Gespräch mit Annamari Arrakoski-Engardt, Geschäftsführerin der John Nurminen Stiftung, wird deutlich, dass es sich eher um eine Arbeitsmethode als um einen Slogan handelt. Es geht darum, engen Kontakt zu Forschern zu pflegen, neue Methoden in die Praxis umzusetzen und Rahmenbedingungen zu schaffen, die es Partnern ermöglichen, aktiv zu werden, bevor Regeln verschärft werden. Laut Arrakoski-Engardt ist es besser, Dinge frei und nach eigenen Vorstellungen zu tun, bevor sie reguliert und verpflichtend werden. Stiftungen halten dann den Draht zwischen Wissenschaft und Entscheidungsträgern aufrecht und weisen auf die dringendsten Handlungsfelder hin, damit öffentliche Gelder dort ankommen, wo sie den größten Nutzen bringen. In Teilen der Region, wo die Umweltkultur nach einer langen Militarisierung der Küsten noch relativ jung ist, sind es laut Arrakoski-Engardt oft europäische Fördermittel, die endlich zum Handeln anregen.

Der anschaulichste, wissenschaftlich fundierte Fall in dieser Folge betrifft Seegraswiesen. Seegras ist eine Schlüsselart der Ostsee, die Lebensraum für viele andere Arten schafft. Eine Wiederherstellung ist biologisch sinnvoll, sobald die Nährstoffbelastung so weit reduziert ist, dass das Wasser das Wachstum ermöglicht. Schutzmaßnahmen umfassen dann grundlegende ökologische und seemännische Prinzipien. Wählen Sie Standorte fernab von punktuellen Verschmutzungsquellen. Vermeiden Sie starke Störungen. Ziehen Sie klare Grenzen gegen Grundschleppnetzfischerei und regelmäßiges Ankern in den Wiesen. „Wir wissen heute, dass Grundschleppnetzfischerei sehr schädlich für die Artenvielfalt ist“, sagt sie. Das Ergebnis ist praktisch: Wählen Sie Standorte mit den richtigen Lichtverhältnissen und der richtigen Wassertiefe, beseitigen Sie chronische Stressfaktoren, und die Seegraswiese kann sich erholen.

Seegras ist eine lebende Infrastruktur, die Schutz benötigt, damit sie überleben kann.

Das Verhalten am Wasser ist entscheidend, und sie kommt immer wieder darauf zurück. Nahrung ist ein wichtiger Faktor, an dem Ökologie und Gewohnheit aufeinandertreffen. Die Stiftung finanzierte Ausrüstung und vermittelte eine Lieferkette, die die Bestände von unterfischten Karpfenfischen, allen voran der Brasse, wieder rentabel machte. Gräten und Zubereitung stellten die Hürde dar. Fischfrikadellen aus dem Supermarkt boten die Lösung. „Wer eine leckere Fischfrikadelle isst, säubert im Grunde die Ostsee“, sagt sie, „denn diese Arten gedeihen in nährstoffreichen Gewässern und verdrängen andere.“ Der Wandel zeigte sich im Einzelhandel und in der öffentlichen Meinung: Aus dem See gefangene Brassen kehrten in die Supermarktregale zurück, und die Verbraucher entdeckten einen Fisch wieder, den sie lange verschmäht hatten. Logistik und Geschmack veränderten eine Variable im Ökosystem, ohne jemanden zu tadeln.

Nicht alles lässt sich durch freiwillige Strandreinigungsaktionen mit Müllsäcken lösen. Junge Menschen sind oft die aktivste Gruppe und üben wichtigen Druck aus. Doch die Hauptprobleme der Ostsee sind Eutrophierung und Schadstoffe. Diese erfordern hohe Investitionen und umfangreiche Projekte. Strandreinigungen sind Bürgerpflicht. Der Nährstoffkreislauf ist eine technische und politische Aufgabe, die finanziert und gesteuert werden muss. Die wichtige Rolle der Jugend besteht darin, die Aufmerksamkeit auf diesem Gebiet aufrechtzuerhalten und Entscheidungsträger an die Einhaltung von Zeitplänen zu erinnern.

Auf die Frage, welche Projekte mit gezielten Fördermitteln zuerst ausgebaut werden sollten, hat sie eine klare Antwort: Die Anwendung von Gipsbehandlung auf Feldern zur Reduzierung landwirtschaftlicher Abwässer. Das Einleiten von Tankwaschwasser in die Ostsee soll verboten werden. Die Eutrophierung ist das Hauptproblem, und die Landwirtschaft in Finnland, Schweden und Polen ist die Hauptursache. Gips ist eine bewährte und kontrollierbare Methode, um Phosphor dort zu halten, wo ihn die Pflanzen benötigen. Was Waschwasser betrifft, so ist die Ostsee ein flaches Gewässer, das solche chemischen Belastungen nicht abfedern kann. Ein klares regionales Verbot wäre ein lokaler Erfolg und ein Vorbild für internationale Organisationen in ähnlichen Meeresgebieten. Diese Maßnahmen vereinen wissenschaftliche Begründung mit administrativer Einfachheit und öffentlicher Akzeptanz.

Handeln Sie frühzeitig und nach Ihren Bedingungen, sobald die wissenschaftlichen Erkenntnisse eindeutig sind.

Wenn es in ihrem Bericht einen Mechanismus zur Mobilisierung der Öffentlichkeit gibt, dann ist es die Wiederholbarkeit in Verbindung mit der Dokumentation. Der von der Stiftung koordinierte Ostseetag ist wichtig, weil Aktionen erfasst und gezählt werden. Organisationen dokumentieren ihre Aktivitäten und deren Orte. Die Beteiligung weitet sich auf neue Länder aus. Soziale Medien und Medienberichte nehmen jährlich zu. Die Praxis besteht aus unscheinbaren Formen, Websites und Monitoring, doch genau so wird aus einer Vielzahl verstreuter Bemühungen ein regionales Register, das politische Entscheidungsträger beachten müssen.

Dahinter steht eine auf die Realität der jeweiligen Branche abgestimmte Motivationstheorie. Landwirte reagieren auf datengestützte Maßnahmen und sichtbare Ergebnisse auf ihren Feldern. Hafen- und Chemieunternehmen fragen sich nach ihrem eigenen Nutzen und beobachten die Entwicklungen im Bereich der Regulierung. Die Stiftung rät daher, frühzeitig und eigenständig zu handeln, bevor unpassende und kostspielige Vorgaben in Kraft treten. In den Nachbarländern, wo sich die Umweltkultur noch im Aufbau befindet, bleibt Geld der verlässlichste Anreiz. Diese nüchterne Analyse deckt sich mit den von der Stiftung ausgewählten Projekten.

Nichts davon reduziert Wissenschaft auf reine Kommunikation. Die enge Zusammenarbeit mit Forschern bedeutet Methode und Vorgehensweise. Zuerst die Belastung reduzieren, dann wiederherstellen. Sorgfältig planen, dann schützen. Das Wesentliche messen und dann in einer Sprache kommunizieren, die die Menschen im Alltag und an den Docks verwenden. Die Ostsee ist kein Problem, das durch plötzliche Erkenntnis gelöst wird. Sie ist ein System, das durch Tausende von miteinander verknüpften Entscheidungen in Schach gehalten wird, die die Menschen verstehen und wiederholen können. Die Aufgabe, wie sie es beschreibt, besteht darin, diese Entscheidungen leicht umsetzbar und schwer wieder rückgängig zu machen.

Für Arrakoski-Engardt ist Design jedoch nicht nur eine technische Angelegenheit. Kultur ist die treibende Kraft dahinter. Von Ausstellungen in Suomenlinna bis zur Helsinki Biennale hat sie erlebt, wie Musik, Fotografie und Installationskunst Menschen bewegen, sich zu engagieren, wo Daten allein nicht ausreichen. Kunst, so sagt sie, lässt das Meer in einer anderen Sprache sprechen, die uns tief im Inneren berührt, bevor wir den Verstand erreichen. Fakten sagen uns, was zu tun ist. Kultur weckt in uns den Wunsch, es zu tun. Die Erholung der Ostsee hängt in dieser Sichtweise ebenso sehr von Vorstellungskraft wie von Ingenieurskunst ab.


Die in diesem Essay aufgeworfenen Fragen prägen auch mehrere Verbindungen von Culture Action Europe. Andere Zeiten, neue Lösungen, der nordisch-baltische Satellit BEYOND des CAE (14.–16. April 2026, Riga, Lettland) und Beständige Bindungen Das Centre Satellite BEYOND (19.–20. Mai 2026, Danzig, Polen) beleuchtet die Verbundenheit der Regionen mit der Ostsee sowie die ökologischen, sozialen und kulturellen Herausforderungen, die sie verbinden. Im Mittelpunkt dieser Treffen steht die Frage, wie Kultur dazu beitragen kann, mit Umweltbelastungen umzugehen, die soziale Resilienz zu stärken und lokale Gegebenheiten in kollektives Lernen zu übersetzen.

Gleichzeitig ist unser Projekt EMCCINNO: Unterstützung nachhaltiger Klimaübergänge in der Kultur- und Kreativwirtschaft Verknüpft diese regionale Betrachtung mit weiter gefassten Fragen der nachhaltigen Klimatransformation und zeigt, wie kulturelle und künstlerische Praxis einen systemischen Wandel unterstützen kann, indem sie ökologische Dringlichkeit mit sozialer Vorstellungskraft und politischer Innovation verbindet.

Bildnachweis: Die Bilder stammen aus der gemeinfreien Sammlung des Smithsonian National Museum of Natural History, NMNH – Botanische Abteilung. CC0-Lizenz